Vietnam
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Crazy Hanoi entdecken

Wie komme ich hier über die Straße?! Zebrastreifen? Wird ignoriert. Vorfahrtsregeln? Gibt’s nicht. Spur halten? Wozu? In Hanoi muss unsere speziell für diese Stadt antrainierte Technik her: Warten auf eine kleine Lücke im Verkehr, hinter der nur Mopeds folgen (keine Autos!). Langsam oder mit mittlerer Geschwindigkeit auf die Straße gehen und immer schön gucken was kommt. Meist fahren die Mopeds dann links und rechts an einem vorbei während man sich (nicht stoppen!) langsam über die Straße schiebt. Manchmal weichen die Mopeds nicht aus, da muss man selber langsamer werden. Funktioniert erstaunlich gut.

Verkehr!Altstadt in HanoiTunnel ins HausPropaganda-Poster gefällig?am Hoan Kiem SeeTempeleingang auf der Inselman staunt über die Riesenschildkrötedie KathedralePagode auf einer SäuleHo Chi Minh Mausoleumweiße WachenHo Chi Minh Mausoleumwie in Frankreich: das OpernhausNicht nur der Verkehr, irgendwie hat die ganze Stadt eine gehörige Portion ganz großartiger Crazyness an sich, die wir hier entdecken.

In der Altstadt von Hanoi haben wir viel Zeit verbracht. Hier ist das Leben auf der Straße. Auf kleinen Hockern am Straßenrand sitzen die Menschen und trinken Tee oder Bier (schon für 6000 Dong, ca. 0,22 EUR). Auch wir nahmen hier ein Bierchen und schauten einfach dem Treiben auf der Straße zu. Ab und zu kommt die Polizei vorbei, dann müssen alle, die auf der Straße sitzen, aufstehen. Die Hocker dürfen nämlich nur auf dem superschmalen Gehweg stehen. Denn der Gehweg ist gar nicht zum Laufen gedacht, hier sitzt man, verkauft oder parkt sein Moped.

Überhaupt ist die Altstadt ein Shopping-Paradies: DVDs, alle Arten von Souvenirs, Kleidung und (ganz berühmt) Propagandaposter. Ja richtig, es gibt gleich mehrere auf Propaganda spezialisierte kleine Läden. Und wir haben herausgefunden: in diesen Mini-Galerien macht das Stöbern ziemlichen Spaß.

Wer die Ladenfronten in der Altstadt verlässt, kann die Welt der zweiten Reihe entdecken. Es ist nämlich so, dass die Häuser und Grundstücke langezogen sind. Es ist keine Seltenheit, wenn ein Haus 100 Meter tief ist. So tut sich eine eigene Welt auf, wenn man in die kleinen Tunnel zwischen den Hauseingängen geht: Restaurants im Hinter-hinter-Haus oder Bars auf dem Dach haben wir hier gefunden. Ein weiteres Abenteuer: Wenn man aufs Klo muss, geht man manchmal auf eines, das man mit allen anderen 200 Bewohnern des Hauses teilt. Eine ganz eigene Erfahrung.

Wer in der Altstadt einen vietnamesischen Kaffee trinken geht, wird sicherlich am Geschmack merken, dass er anders schmeckt, als man erwarten würde. Eine lokale Spezialität sozusagen, die Touristen gern angeboten wird. Der Grund für seinen Geschmack: Bei der Lese werden die Bohnen nicht nach Größe sortiert. Wenn sie dann geröstet werden, kann es sein, dass die kleinen Bohnen schon verbrennen und die großen noch nicht ganz durch sind. Geröstet wird oft selbst mit Fischsoße und etwas Öl, nach dem Aufbrühen kommt noch ein Löffel süßer Kondensmilch in den Kaffee: Diese Mischung gibt ihm diese karamellig-schokoladige Note. Aber unter uns, ein besonders guter Kaffee ist es nicht. Übrigens ist Vietnam der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt, der Großteil der Produktion ginge nach Deutschland hörten wir.

Wenn man die Altstadt verlässt, kommt man an den wichtigsten See in Hanoi, den Hoan Kiem See. Hier hat eine goldene Schildkröte dem ersten König Le Loi ein goldenes Schwert gegeben, das ihn unbesiegbar machte.  Auf einer kleinen Insel (mit einer tollen Brücke verbunden) ist ein Tempel. Und in diesem Tempel ist eine ausgestopfte Schildkröte aus dem See ausgestellt. Wenn man dabei an die niedlichen kleinen Dinger denkt, liegt man gehörig daneben. Im Glaskasten glotzte uns eine ausgestopfte Riesen-Schildkröte an. Wir hatten keine Ahnung, dass die sooo groß werden können!

Weitere Sehenswürdigkeiten mit Crazyness-Faktor in Hanoi: Zuerst die Pagode auf einer Säule. Das hatten wir noch nie gesehen, in einem kleinen angelegten künstlichen Teich ist eine Art Baumhaus-Pagode auf eine Säule gebaut. Außerdem die Kathedrale: Mitten in Hanoi erhebt sich eine Kathedrale die ziemlich an Notre Dame de Paris erinnert. Einfach so steht sie da und ist französisch, wirkt dabei aber nicht mal wie ein Fremdkörper. Irgendwie passt sie sich ein und ist dennoch was Besonderes.

Die große Attraktion in Hanoi ist aber das Ho Chi Minh Mausoleum. Mächtig und präsent erhebt es sich über einen großen leeren Platz. Hier ruht Onkel Ho in einem Sarg aus Glas, Soldaten in weißen Uniformen wachen über ihn. Wer möchte, kann ihn besuchen. Der Andrang ist manchmal etwas groß, ohne Anstehen geht es nicht. Aber dann kann man hinein und dem gut erhaltenen Ho Chi Minh in seinem Glassarg einen Besuch abstatten.

Irgendwie ist eine Woche in Hanoi abgefahren. Man entdeckt und sieht viel. Zum Fallenlassen gibt es vielleicht bessere Orte. Um Aufregendes zu entdecken und einfach das vietnamesische Großstadtleben mal an sich heranzulassen ist Hanoi ein toller Ort.

 

4 Kommentare

  1. Janina sagt

    Ja sieh an, da haben also auch die Vietnamesen ihre „Schwert-aus-dem-See-für-den-König“-Legende, ob nun magische ‚Herrin vom See‘ oder magische Riesenschildkröte ist da nur Lokalkolorit.

    Weiß man eigentlich was aus dem vietnamesischen Excalibur geworden ist?

    • Tobias sagt

      Hehe, ja so ist es wohl mit den Legenden. Das Schwert soll sich in einen jadefarbenen Drachen verwandelt haben, der dann in den See gestürzt ist. die Schildkröten sind wohl immer noch im See, wie viele es sind, weiß aber keiner.

      • Soweit ich weiß, soll es inzwischen nur noch eine einzige sein, und die ist akut bedroht, weil das Wasser immer dreckiger wird. Kein Wunder in dieser Stadt; die Schildkröte, die das so lange erträgt, muss wirklich eine magische sein ;-)

        • Tobias sagt

          Das erklärt, warum wir sie trotz langem Ausschau-Halten nie gesehen haben … Trotz Hektik und Chaos hatte für uns Hanoi aber auch seine Magie.

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