Berlin
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Flughafen BER: Mit dem Rad über die brandneue Startbahn

Schon mal eine Radtour auf einem Flughafen gemacht? Einfach mal übers Rollfeld geradelt?! Ich mag Flugzeuge und Flughäfen und war deswegen sooo neugierig, wie der nagelneue supermoderne Flughafen BER wohl aussehen mag. Und weil dort noch keine Flieger unterwegs sind, könnte man doch einfach mal mit dem Fahrrad…?!

Fanta vor der Fluggastbrücke

Jetzt würde ich gern die Geschichte erzählen, wie ich mit Fanta und dem Klapprad über den Zaun bin, die Wachleute bestochen und die Hunde abgelenkt habe. Doch es ging viel einfacher: Ich habe angerufen und einen Termin vereinbart, das war alles. Easy, oder?

So fuhren wir an einem windigen Sonntag im August mit der S-Bahn nach Schönefeld und folgten dann der Wegbeschreibung die uns mitgegeben worden war. War nur blöd, dass keine Straßennamen eingezeichnet waren, so irrten wir durch Schönefeld und Bohnsdorf und fragten uns durch. Irgendwann und nach vielen Kilometern, landeten wir dann doch auf dem Zubringer zum neuen Flughafen. Irgendwie cool, so ganz allein über die Schnellstraße mit ihren autobahnkreuzartigen Brücken zu radeln.

Mit dem Fahrrad über die Autostraße

Am Infotower bezahlten wir unsere 15 EUR (nein, nichts ist umsonst im Leben) und bekamen schicke rote Besucherwesten. Eigentlich könnte es losgehen… da hörte ich den Mann neben mir: „Ich habe kein Fahrrad dabei“ (is ja nicht so praktisch für ne Fahrradtour) Die Damen am Schalter „Oh, wir haben hier leider keine Räder zum Vermieten“ Der Mann: „Ja aber am Telefon (triumphiert) hat man mir gesagt, ich bräuchte kein eigenes! Ich komme nämlich von AUSSERHALB.“

Die beiden Damen, unsere Tourguides, waren einfach zwei Herzchen. Kurzentschlossen gaben sie eines ihrer Fahrräder ab und eine stieg auf ein Auto um. War ja genug Platz auf dem leeren Hauptstadtflughafen.

Mit dem Rad an den C-Gates vorbei

So kam ich das erste Mal über das Gelände des Willi-Brand-Flughafens. Ein wenig geisterhaft war es schon: Moderne Gebäude, aber kein Leben darin. Eine Gruppe Motorradfahrer fuhr über den Straßenring bei ihrem Sonntagsausflug, als sie durch waren wieder Leere. Zwischen den Steinplatten auf den Parkplätzen wuchs das Gras. Durch die Scheibe am Hauptterminal, sah ich die fertige Kunst am Bau hängen und auf die Besucher warten (passenderweise trug das Kunstwerk den Namen „roter Teppich“). Aber irgendwie auch saucool, plötzlich vor dem Terminal zu stehen, das ich bisher nur aus der Computersimulation im Fernsehen kannte. Und fast surreal wirkte zwischendrin diese Gruppe aus Rentnern und Familien mit ihren Fahrrädern und roten Westen.

Gras zwischen den Steinplatten

Und jetzt kam der Moment: Wir fuhren an den Wachleuten vorbei auf die andere Seite des Zauns. Sie winkten uns noch zu! Vorbei ging es an Servicegebäuden (Strom, Zoll, Kantine) zur Feuerwache. Die ist selbstverständlich besetzt, Brandschutz. Die Jungs von der Feuerwehr waren super, sie machten die Tore der neuen Hallen auf: „Na dann kommt ma rin!“ Also gelernt: Mit 2500 Litern Wasser in 2 Minuten kann man ein Flugzeug runterkühlen. Mit dem Leiterwagen kommt man auch von oben ans Parkhaus. Und damit alles auch zack zack geht, stehen die Schuhe mit runtergelassenen Hosen schon neben den FLF (Flugfeldlöschfahrzeugen). Um mal zu zeigen, was eine Flughafenfeuerwehr so kann, wurde der SIMBA mit seiner Löschpistole rausgelassen, es stand eh eine kleine Übung an.

Stiefel und Hose zum zusammen anziehen

SIMBA in Action. 1000 Liter Wassser - kein Problem

Jetzt war es Zeit für die Hauptmalzeit: Das Rollfeld mit den Gates und den Fluggastbrücken! Mit Rückenwind (das sollte sich auf dem Rückweg noch rächen) rasten wir im 7 Gang an den C-Flugsteigen vorbei. Dabei ignorierten wir alle Markierungen für Flugzeuge und Fahrzeuge, einfach quer über den Flughafen! Ganz großer Fun!

Fluggastbrücke

Der neue Flughafen BER war gigantisch. Trotz aller Pannengeschichten, die ich aus der Presse kannte: Von außen war alles fertig, wir standen total klein auf dem Vorfeld, vor uns die Fluggastbrücke von Gate B 15, das schon für den A 380 ausgelegt ist. Daneben die Reihe weiterer Flugsteige, noch ohne Flugzeuge aber schon mit allen Markierungen auf dem Boden, Ampelsystemen zur Einweisung der Maschinen und noch mehr Kunst am Bau (Lampions am Gate B15 die je nach Airline die Farbe wechseln). Weit hinten auf dem Betonfeld der neue Kontrollturm der Flugsicherung.

Stop am Gate

das große Feld und der Tower

Zurück radelten wir auf der neuen Start- und Landebahn (Südbahn). Es ging gegen den Wind, schnell ging da gar nichts mehr. Die Bahn war gigantisch, 60 Meter breit (das war breiter als die bekannten Startbahnen auf dem alten Flughafen Tempelhof) und mit Rillen im Belag (das Wasser muss ja abfließen) und der Beleuchtung links und rechts. Riesige Kreuze lagen mit Sandsäcken beschwert auf der Bahn, um sie auch aus der Luft erkennbar zu sperren (soll ja niemand aus Versehen hier landen).

Gegen den Wind auf der Südbahn

So fuhr ich mit dem Fahrrad die brandneue Startbahn des BER entlang. Das war schon was Besonderes. Denn normalerweise gehöre ich nicht zu den Leuten, die vor Eröffnung eines Großflughafens mit Ihrem Fahrrad über die Anlage radeln dürfen. Saucool!

 

Wer auch mal den BER Flughafen besuchen will

Fahrradtouren über den BER werden von der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH organisiert. Anmeldung und Infos gibt es hier.

Übrigens, am 14. Und 15. September 2013 findet das Familienfest am BER statt, inkl. Touren durch das neue Terminal.

 

2 Kommentare

  1. Das muss ich mir mal für meinen nächsten Berlin Ausflug merken, ist bestimmt total interessant. Aber dass dafür so viel Eintritt genommen wird finde ich ein bisschen übertrieben. Naja wie du schon sagst, nichts ist umsonst im Leben :)

    • Tobias sagt

      Kann ich empfehlen ;) Für den Eintritt gab es immerhin 2 Guides in einer max 20 Personen-Gruppe und ein sattmachendes Lunchpaket.

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