China
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Longji, die berühmte Wirbelsäule des Drachens

China schien uns ein gefährliches Pflaster für Individualreisende: Man bekam fast ausschließlich organisierte Touren angeboten, sowohl im Hostel als auch an der „Touristeninfo.“ Ihn China reist man gern bequem und mag möglichst viele Stopps in einer Tour, weil „dann sieht man mehr.“ Auch wenn wir ab und zu in den Tourbus gestiegen sind, diesmal schreckten uns die Angebote ab.

Nein, wir wollten uns ganz in Ruhe die berühmten Reisterrassen von Longsheng angucken. Nach einer kleinen Suche stießen wir auf die Telefonnummer von Sandy in Dazhai. Das Dorf liegt mitten in den Jinkeng Reisterrassen (auch Longsheng  oder Longji genannt). Dazhai soll noch nicht ganz so doll mit Läden, Parkplätzen und Touristenfallen gepflastert wie das benachbarte Dorf Ping An. Klang perfekt für uns.

Sandy war super, ein Anruf und sie organsierte uns alles: Ein Zimmer in ihrem Hotel Wisdom Inn sowie eine direkte Busverbindung nach Dazhai (mit dem öffentlichen Bus müsste man mehrfach umsteigen). So standen wir morgens um 8:30 in Guilin am Bahnhof und hielten Ausschau nach dem weißen Minibus mit dem Nummernschild 17071. Denn nur am Nummernschild konnten wir in der Menge der gleich aussehenden Vans den richtigen erkennen.

Holzhäuser der Dörfer in den Reisterrassen

Das Wisdom Inn lag inmitten eines kleinen Dorfs in den Reisbergen. Alle Häuser waren komplett aus Holz gebaut. Wir checkten ein und bezogen unser Zimmer, ebenfalls komplett aus Holz (Holzboden, Holzwände, Holzmöbel). Schööön. Es war schon Mittag, wir wollten raus in die Berge! Sandy war unsere große Hilfe, sie versorgte uns mit einer tollen Wanderroute.

Wir wanderten los, erstes Etappenziel war der Aussichtspunt Nummer 2 mit dem verheißungsvollen Namen „thousand layers to heaven.“ Der Pfad aus Steinplatten schlängelte sich durch die Reisterrassen, die leider noch mit Grad bewachsen waren. Sandy erzählte uns später, wir seien etwas zu früh dran, erst ab Mai würde der Reis gepflanzt und die Felder geflutet. Dann starte aber auch die Hauptsaison und es würde voller.

Trotzdem beeindruckte uns die Landschaft sehr. Die Terrassen auf all diesen Bergen mussten von Menschen angelegt worden sein. Wohin wir auch blickten, zogen sich die Stufen den Berg hinauf. Wow.

Fanta im Reis

auf der Wanderung durch Siedlungen

In einer kleinen Siedlung folgten uns zwei Hundewelpen und begleiteten uns ein wenig. Ab und zu sahen wir ein Pferd auf den Reisterrassen grasen. Ansonsten trafen wir kaum jemanden.

Als wir etwa am Aussichtspunkt 2 angekommen waren, überholte uns ein altes Mütterchen. Auf dem Rücken trug sie das Gepäck eines Chinesen, der hinter ihr herstapfte. Weltmännisch rief der gut angezogene junge Mann (Khakihose, Businesshemd, schicke Schuhe) mit einem Nicken in unsere Richtung „Where are you from?!“ Wir:“ Germany! And you?“ Die Gegenfrage verdutzte ihn so, dass er kurz anhalten musste. Denkpause, nach 3 Sekunden die Antwort: „Bejing!“ Schnell lief er weiter ohne noch irgendwas zu sagen.

Aussicht über die Reisterrassen

Sie trägt, er muss fotografieren

Auch wir wanderten weiter, jetzt oben über den Bergkamm. Unsere Richtung jetzt der Aussichtspunkt 1 („Music from Paradise“). An einer Weggabelung hockte eine Frau mit zwei Töpfen. Sie war die Rettung für unsere hungrigen Mägen, den alle Verpflegungsstände waren heute geschlossen! Wir kauften von ihr ein gekochtes Ei und in Bananenblatt gedünsteten Reis, was für eine Mahlzeit! Wir hockten uns an den Wegesrand und verschlangen den Snack à la chinoise mit toller Aussicht.

chinesischer Bergsnack

noch mehr Aussicht

Am Aussichtspunkt 1 angekommen, bekamen wir eine Ahnung, was zur Hauptsaison hier los sein musste. Eine ganze Reihe neu gebauter Hotels standen hier oben auf dem Berg. Hierher hatte sich der Pekinger offensichtlich sein Gepäck tragen lassen. Zum Glück war hier immer noch zu eng für Busse und auf den Hängen nicht unendlich Platz für Neubauten.  Wir konnten die fantastische Sicht bewundern und stellten uns vor, wir grandios es hier erst sein müsse, wenn alles mit Reis bepflanzt wäre und Wasser über die Felder geleitet würde.

Pferd in den Longji Reisterrassen beim Grasen

Auf dem Weg hinunter ins Tal begegneten wir noch einigen Locals. Die Frauen trugen traditionelle Trachten und ließen sich die Haare sehr lang wachsen. Ein Mann transportierte mit seinem Pferd Waren über die Pfade hinauf zu den Hotels. Kinder kamen von der Schule und ein alter Mann ohne Zähne lachte in unsere Kamera.

Opa mit Enkel

Lasten kommen per Pferd

smile!

Wir waren fünf Stunden unterwegs gewesen. Hungrig und müde kamen wir zurück ins Wisdom Inn. Wieder war Sandy unsere Rettung: Sie kochte uns ein großartiges Abendessen und stellte uns ein kaltes Bier auf den Tisch. Müde fielen wir danach in unsere Holzbetten. Was für ein großartiger Tag in den Gras-Reis-Terrassen war das gewesen!

8 Kommentare

  1. Hallo Tobias,

    dein Einleitungssatz überrascht mich gerade etwas. Natürlich kriegst du in China super Touren, die oft auch billiger sind als wenn du selber reist. Aber diese Angebotet findest du praktisch nur, wenn du chinesisch sprichst und schreibst. Für alle, die die Sprache nicht so gut können, ist China das perfekte Land für Individualreisende.

    Viel Spass im Reich der Mitte. Es ist toll, dort zu reisen.

    • Tobias sagt

      Hallo Oli,

      freue mich zu lesen, dass unser Eindruck nicht immer zutrifft. Das gibt mit Hoffnung für die nächste Reise nach China :)

      In Guilin haben wir es so erlebt, dass unsere üblichen Infoquellen (Online (diesmal limitiert), Hostel, Infopunkte, andere Reisende) nicht so ergiebig waren wie in anderen Ländern der Reise. Vielleicht ist Guilin auch zu touristisch. Ich hatte auch den Eindruck, die Sprache nicht zu sprechen mache es eher komplizierter…

      :) T.

      • Klar, es ist sicher ein grosser Vorteil, wenn du die Sprache sprichst. Aber ich kam auch ganz gut klar, also ich noch kein Wort Chinesisch konnte.

        Worin ich dir aber recht gebe: China ist eine ganz andere (Reise)welt als Südostasien. Ich hatte nie Probleme, Infos zu Reisezielen zu bekommen. Ich finde, dass insbesondere die Youth Hostels super Quellen sind. Aber das hängt natürlich immer davon ab, wer gerade hinter der Theke steht. Und so ists auch nicht sonderlich überraschend, dass jeder etwas andere Erfahrungen macht.

        Mit zunehmendem Wohlstand reisen auch immer mehr Chinesen und die sind eine hervorragende Quelle. Leider klappts sprachlich manchmal nicht ganz gut.

        Ich weiss nicht, ob du das mal gelesen hast, aber ich hab vor nem Jahr eine Tour in die Innere Mongolei gemacht. Das Interessante daran war, dass die Gruppe selbst organisiert war.

        Auf einer Website fanden sich Interessierte für eine bestimmte Tour. Sobald es genügend Personen ab, verteilte der Initiant die Aufgaben. Jemand musste also die Hotels buchen, ein anderer den Bus reservieren und so weiter. Das hat nicht alles perfekt geklappt, aber ich fand diese Idee grandios.

        Siehe hier: http://oli.weltreiseforum.com/hexigten-im-teamwork-durch-die-innere-mongolei/

        • Tobias sagt

          Schöne Idee und spannendes Konzept der gemeinsamen Reiseplanung!

          Manchmal hängen Erfahrungen einfach davon ab, auf wen man trifft oder was für eine Zeit ist. Aber das macht das Reisen ja auch so spannend, und selbst viel bereiste Orte werden dadurch von jedem anders erlebt. Ein Glück :)

  2. Tolle Bilder! Es ist erstaunlich wie sie sich den Bildern in Sapa (Vietnam) ähnlen. Würdest du nicht sagen, wo du warst würde ich Wetten, dass es Sapa ist.

    Grüße,
    Weltenbummler

    • Tobias sagt

      Danke! In Sapa waren wir leider nicht, deswegen kann ich nicht vergleichen :) Soll aber auch toll sein dort.

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  4. Pingback: Muster von China - kleine Weltreise Blog

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