Taiwan
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Angst in der Taroko Schlucht

Wir müssen blauäugig, blöd, benommen und naiv gewesen sein. Zum Feiertag mit langem Wochenende zur Hauptattraktion von ganz Taiwan zu fahren. Schon lange waren die Sitzplätze in den Zügen auf dem Weg in den Taroko Nationalpark ausgebucht (wir mussten stehen). Uns wurden Unmengen von Taiwanern und Chinesen prophezeit. Davor hatten wir Angst: Nicht treten zu können vor lauter Menschengruppen. Verloren zu gehen und verzweifelt die Fahne unseres Guides suchen zu müssen. Uns nach einem harten Kampf in die erste Reihe den Platz für das Foto mit 1000 Taiwanern teilen zu müssen. Stunden im Stau zu stecken, weil in einem engen Tunnel die Busse nicht aneinander vorbei kommen. Kurz: Vor lauter Menschen keine Natur im Naturpark mehr sehen zu können. Was tun? Wir entschieden uns für die nicht gerade naheliegende, doch am wenigsten Chaos versprechende Option: Eine organisierte Tour im taiwanischen Bus.

den fertigen Pfad durch den Wald bitte nicht verlassenTaiwan ist bekannt für die vielen SchmetterlingeHelm auf, Kamera rausdie Schlucht aus Marmordie Taroko SchluchtSchlucht im Taroko NationalparkEternal Spring Shrinedas trockene Flussbett mit Marmor-KiesDas Dach der Pagodeder Tunnel zum ShrineIm Hintergrund die BusseDa wollten wir mal schauen, wie es werden sollte. Nachdem am Morgen bereits drei volle Busse vor unserem Hotel in Hualien gestartet waren, wurden wir abgeholt. In unserem Bus gab es neben uns lediglich ein einziges westliches Pärchen. Alle anderen sprachen chinesisch.

Wir waren noch nicht um die erste Ecke in Richtung Nationalpark gebogen, da fing der Busfahrer begeistert an zu erzählen. Ganz so, als ob er sich wahnsinnig freue, endlich mal in eine Mikrofon sprechen zu dürfen. Das sollte die ganze Fahrt so gehen. Wir verstanden zwar kein Wort des chinesischen Wortschwalls, bekamen aber das Wichtigste mit: Immer, wenn es was zu sehen gab, schwappte die Menge im Bus auf die entsprechende Seite und hielt ihre Kameras ans Fenster. Wir mussten nur den ausgerichteten Objektiven hinterherschauen.

Bei wichtigen Ansagen kümmerten sich die jungen Taiwaner, die um uns herum saßen, rührend um uns: Immer übersetzte jemand ungefragt und stellte sicher, dass wir wussten, wann der Bus nach einem Stopp weiterfahren würde.

Der Taroko Nationalpark ist eine langgezogene Schlucht. Die Besonderheit der Taroko Schlucht: Die Felswände haben nicht nur eine respektable Höhe, sie sind auch aus Marmor. Unsere Stopps sollten sensationell werden.

  • HQ Taroko National Park: Hier am Eingang zum Park hielten wir als erstes. Es war noch früh, ein Glück: der Parkplatz fast leer! Ein nettes Besucherzentrum mit einem tollen Modell vom Nationalpark. Weiter ging’s.
  • Pulowan Recreation Area, ein riesiger Parkplatz, auch der war fast leer. Hier war ein Picknickplatz angelegt und wir konnten auf einem angelegten Holzpfad ein wenig durch die „Natur“ wandern.
  • Am Swallow Grotto Trailempfingen uns die Warnschilder: „Bitte Helm tragen!“ Immer wieder kommt es nach Regenfällen und Erdbeben zu Steinlawinen und Erdrutschen, bei denen auch schon Wanderer ums Leben kamen. Entsprechend vorsichtig ist man geworden. Wir sahen vor uns Gruppen von Taiwanern mit weißen Bauarbeiter-Helmen auf dem Kopf. Sowas wollten wir auch haben, man kann nicht vorsichtig genug sein! Unser Guide schüttelt den Kopf, für uns gibt es keine Helme. Wir würden doch durch einen Marmor-Tunnel laufen, bräuchten wir nicht. Wir hatten trotzdem ein wenig… Respekt.  Blieb zu hoffen, dass der Marmor nicht bröckelt.
    Im Nachhinein erzählte mir ein Freund in China, wie er vor zwei Jahren einen Arbeitskollegen bei einem Ausflug im Taroko Gorge verloren hatte. Weil er keinen Helm trug, wurde der Kollege so stark verletzt, dass er starb. Vor herabfallenden Gesteinsbrocken konnte man sich wirklich fürchten. Umso mehr wunderte ich mich über Tourveranstalter, die keine Helme für ihre Gäste organisieren.
    Dennoch, die Taroko Schlucht war hier großartig: Wir standen direkt in der riesigen Marmorschlucht, inmitten der marmorierten Felsen. Unten der kleine Bergfluss in dem das Wasser wild um die Felsen strömt, über uns die hohen Felswände. Aus Grotten blickten wir immer wieder durch die Schlucht. Wenn man sich die Menschen wegdachte, war es richtig toll. Aber auch hier hatten wir Glück, die „nur“ zwei Busladungen Menschen verliefen sich in der langen Schlucht.
  • In Tienhsiang bekamen wir unser Lunch, übrigens in der Jugendherberge und sehr taiwanesisch: Auf der runden Drehplatte in der Mitte des Tischs wurden viele Gerichte aufgebaut (Fisch, Huhn, Seegurke, Reis, Suppe mit Algen…) und alle durften von allem nehmen. Vor allem der Fisch war ziemlich gut. Den Tempel mit dem Buddha an der Ortseinfahrt ließen wir aus… Bustour eben, wir mussten weiter wenn der Zeitplan ruft.
  • Nämlich zum Eternal Spring Shrine. Der liegt sehr schön am Berghang. Mitten hindurch fließt ein Bach der direkt unter dem Schrein als Wasserfall ins Flussbett donnert. Durch einen Marmortunnel gelangen wir zum Schrein und konnten uns ein wenig umgucken. Und da sahen wir endlich, wovor wir die ganze Zeit Angst hatten: Der Busparkplatz gegenüber war plötzlich gerappelt voll. Jetzt am Nachmittag waren die Busse aus Taipeh angekommen und drängten sich auf dem kleinen Platz. Machte aber nichts, wir waren am letzten Stopp der Tour im Taroko Nationalpark. Wir überließen die anderen Busladungen ihrem gedrängten Schicksal und fuhren zurück in Richtung Hualien.
  • Auf dem Heimweg kam er dann noch, der obligatorische Bustour-stoppt-am-Vertragsgeschäft-Halt. Wir hielten an einem riesigen Laden, in dem es fast ausschließlich getrocknete und manchmal gesalzene Früchte gab. Und zwar in Familienpackungen! Die Taiwaner schienen uns ganz verrückt nach dem Zeug zu sein, fast jeder verließ den Shop mit einer großen Tüte neu erstandener „Bananen“ oder anderen getrockneten Frucht- und Algensachen.
  • Als Bonus, und weil wir noch so viel Zeit hatten, hielt der Bus für uns nochmal am Strand (Chising Tan Beach). Das war der Nachteil der komplett durchgebuchten Touren, da hätte man doch alternativ fast zwei Stunden länger im Nationalpark bleiben können, aber neeeee, um ein Programmpunkt mehr auf die Liste ballern zu können, hält man lieber am Strand. Es fing an zu regnen. Da hatte sich das Wetter doch gerade so bis zum Ende des Ausflugs gehalten. Wieder Glück gehabt.

Die Tour war am Ende gar nicht schlimm. Wir müssen wundersamer Weise ein bis zwei Stunden vor dem großen Ansturm so durch den Nationalpark gekommen sein. Auch am Abend war unser Hotel gerappelt voll, ebenso der Busparkplatz davor. Es war schließlich Feiertag und verlängertes Wochenende, da hatten wir nochmal Glück gehabt.

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