Berlin
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Die Ruine vom Spreepark

Auf der anderen Seite vom Zaun ist es verwildert. Die Ruinen des alten Freizeitparks in Berlin können am Wochenende besucht werden. Mit einer Gruppe sammeln wir uns vor dem Eingang, wir wollen auf Entdeckungstour durch den verfallenen Spreepark gehen. Das Warten auf die Führung ist spannend, voller Vorfreude auf das echte Abenteuer, die Erkundung der verbotenen Freizeitstadt und die Wiederentdeckung des längst Vergessenen gepaart mit dem Hauch des Gefährlichen.

Schwan im Spreepark

 

Die Erkundung der verbotenen Freizeitstadt

Unsere Erwartungen sollen nicht enttäuscht werden. Heute ist Christopher unser Guide, besser hätten wir es nicht treffen können. Denn Christopher liebt den Spreepark mehr als ein Modellbahn-Enthusiast seine Eisenbahn im Keller. Er weiß alles, kennt sämtliche Ecken und jede Geschichte.

Es geht los. Nicht ohne eine Warnung an die Gruppe: “ Bitte nicht einfach weglaufen und irgendwo raufklettern oder gegenlehnen! Letzte Woche wurde eine Frau fast von einem Betonklotz getroffen, den sie umgestürzt hat.“

Alles ist zugewuchert, Pflanzen wachsen überall. Auf bröckelnden Gebäuden und alten Fahrgeschäften liegt eine Schicht Staub und Überreste verrotteter Blätter. Umgestürzte Saurier liegen auf der Wiese und immer wieder steht ein Schwanenboot im Gebüsch oder gondelt leer auf dem See. Alles verwittert. Dazu der graue Himmel, es wird Herbst und ein leichter Wind weht. In dieser Brise dreht sich das Riesenrad und quietscht wie im Horrorfilm. Der Spreepark spielt seinen vollen Charme des verlorenen Ortes aus.

die alte Wildwasserbahn

Fanta sitzt zur Probe

Alle Sicherheitswarnungen sind bei der Wildwasserbahn vergessen. Natürlich klettern wir in die Wagen, um für ein Bild zu posieren. Selbstverständlich laufen wir durchs Gebüsch um ein gutes Foto zu schießen. Und auch bei der Achterbahn klettern wir über die Anlage und auf die nicht mehr ganz intakte Plattform des Riesenrads im See gehen wir auch. Nur das Besteigen einer schiefen Riesenradgondel wagt keiner, sie hängen einfach zu schief. Christopher dazu: „Letzten Winter sind die festgefroren, als das Riesenrad sich weiter drehte haben sie sich verkeilt und verformt. Seitdem traut sich da niemand mehr rauf. Würd ich aber auch nicht mehr machen.“

„Sind denn mal Menschen in den Park eingebrochen und da mitgefahren?!“ will jemand wissen „Ja, das ist passiert.“ Erzählt unser Guide. „Manchmal waren sie dann gefangen, als das Riesenrad aufgehört hat sich zu drehen und sie ganz oben festhingen.“ Muss unangenehm gewesen sein. Vor allem mussten die Einbrecher dann kleinlaut nach dem Wachschutz rufen, der sie dann wieder runterholte.

das alte Riesenrad mit Saurier

die Gondeln vom Riesenrad

 

Der Spreepark und was übrig ist

Früher war an dieser Stelle im Plänterwald mal der einzige Freizeitpark der DDR mit West-Fahrgeschäften. Das muss ein ganz großes Ding gewesen sein. Nach der Wende entstand 1992 für 40 Mio DM ein neuer Freizeitpark, der mit 28,5 ha etwa so groß war wie das Phantasialand. 2001 musste der Spreepark wegen Insolvenz geschlossen werden und der Verfall begann. Der Boden wurde aufgerissen und Kupferkabel geklaut. Sogar ein ganzes Fahrgeschäft („Till Eulenspiegel“) verschwand über Nacht. Der Park verwilderte und wurde zum Secret Place, leer, ausgeplündert und mit dem Reiz des Verfallenden.

Noch immer ist unklar, was mit dem Gelände passieren wird. Viele Freizeitparkbetreiber haben verhandelt, um den Park übernehmen zu können. Niemand einigte sich auf Rahmenbedingungen um solide einen Vergnügungspark betreiben zu können. Das Gelände wurde zur politischen Ruine.

alte Brücke über den Teich

Abfahrtshalle der Schwanenboote

 

Besuch und Führung durch den Spreepark

Wer den Spreepark besuchen möchte: An jedem Wochenende gibt es Führungen. Am besten reserviert man vorab. Alle Infos zu den Führungen und sonstigen Veranstaltungen sind zu finden unter berliner-spreepark.de

 

die alte Achterbahn

die alte Wildwasserbahn

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