Irland
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Wie Irland früher mal war

Verdammt bescheiden denke ich, die ganze Familie auf nicht mal 25 Quadratmetern? Schon seit tausenden von Jahren leben Menschen hier in Donegal, dessen Küste mich schon so beeindruckt hatte. Jetzt bin ich auf den alten Spuren der Menschen und ihrem Leben in diesem abgelegenen Strich Land: Zwei Museumsdörfer und ein uraltes Steinfort besuchen wir auf unserer Blogger-Reise durch den Nordwesten von Irland.

die Katze

 

Glencolumcille Folk Village

Die Katze streicht mir schon am Parkplatz um die Beine und begleitet mich durch das ganze Museumsdorf. Sie springt auf die Tische in der alten Schule oder und wartet vor dem alten Pub auf mich.

der alte Pub im Museumsdorf

 

Margret zeigt uns die Cottages mit den Strohdächern die sie konserviert und als Museum ausgebaut hat. Sie sind mit originalen Möbeln eingerichtet. In einem Haus hat die ganze Familie gelebt, in der Küche steht ein viel zu kurzes Bett mit Vorhang. „Darin haben zwei Menschen geschlafen, die waren aber nicht kleiner als wir heute sind. Sie haben nur im Sitzen geschlafen, das war praktischer wegen der Lungenprobleme und des Hustens.“ Oha, so sah Armut aus.

Begeistert schiebt uns Margret in die andere Ecke der kleinen alten Küche: „Hier, das ist etwas ganz besonderes, ich bin so froh dass ich es bekommen habe!“ und zieht eine Rolle Stoff aus einem Regal. Stoff?! „Ja Stoff! Alte Textilien sind kaum noch erhalten, alte Möbel sind da viel häufiger und leichter zu bekommen. Schaut mal, wie der verarbeitet ist, alles von Hand gesponnen und gewebt! So zu produzieren wäre heute unbezahlbar!“

die alte Küche

Aber auch heute ist das Leben in der Region nicht einfach. Seit 2008 sind viele Jobs weggebrochen. Die Menschen hoffen auf eine neue Whiskey-Fabrik, die gebaut werden soll. Denn, so erzählt Margret, die Chinesen lieben irischen Whiskey und es würde dringen benötigte Arbeitsplätze in der Region schaffen. Das wäre ein weiterer großer Betrieb nach der Fischfabrik in Killybegs.

Die Katze sitzt zwischen Walknochen und beobachtet uns, wie wir durch die Ausstellung des einfachen armen Lebens stapfen. Ihr scheint es heute gut zu gehen.

Walknochen und Katze im Glencolumcille Folk Village

Doagh Famine Village

Das Leben war sehr einfach und hart. Doch alles kein Problem, denn „wir hatten kein Fernsehen, wir wussten nicht was man noch alles hätte kaufen können“ sagt Pat Doherty. Er steht in der Küche eines kleinen spärlich eingerichteten Cottages, der Boden ist aus Stein, die Tür extra klein, damit weniger Wind hindurch kommt. „Hier haben meine Familie und ich gelebt. Bis 1983 haben wir in diesem Haus gewohnt.“

So richtig gut geht es uns in Europa noch nicht sonderlich lange. Diese Gegen in Irland sei aber auch abgelegen, sagt Pat. Und an der Küste wären die Menschen sowieso ärmer, weil sie so weit weg von den Städten wie Dublin oder Galway sind.

Doagh Famine Village

Das Doagh Famine Village widmet sich in seiner Ausstellung der Mischung aus Hunger und Aberglaube. Ein Beispiel aus der Ausstellung: In der Leichenhalle wurden die Toten drei Tage aufgebahrt, mehrere Menschen saßen Totenwache: Weil es könnte ja sein, dass er nochmal aufwacht und dann muss es mehr als ein Mensch bezeugen. Aber überhaupt sei die Verbindung von Armut und Aberglaube zwingend erklärt Pat: „Das ist überall so auf der Welt, es gibt sogar Studien darüber! Wenn die Menschen permanent hungern, suchen sie nach einem Grund für die ausweglose Situation. Da ist dann plötzlich das uneheliche Kind oder sonst irgendwas schuld und Menschen werden aus der Gesellschaft ausgestoßen, damit sich das Unglück nicht weiter ausbreitet.“

Ein altes Bett ist umfunktioniert zu einem Beet. Darauf steht: „Life is not a bed of Roses“ (Das Leben ist kein Rosenbett). Stimmt.

Das Leben ist kein Rosenbett

 

Grianán of Aileach

Das Rundfort auf dem Berg überblickt die Halbinsel Inishowen. Es wird auch „stone palace of the sun“ genannt, ich würde eher behaupten wir sind im Palast des Windes gelandet. Es ist so stürmisch, ich schaffe kaum die Kamera still zu halten.

Im Inneren der 4 Meter dicken Mauern ist es etwas ruhiger. Im Inneren ist die Fläche frei, früher standen hier Gebäude aus Holz, in denen die Menschen schliefen. Auf der ringförmigen Steinmauer liegen drei Terrassen übereinander, auf denen man um auf der Mauer im Kreis gehen kann. Von oben ist die Aussicht über die Halbinsel und das Meer grandios.

Grianán of Aileach

Der Grianán of Aileach war der Sitz der Könige von Aileach, 1700 vor Christus wurde die massive Struktur gebaut, ganz ohne Mörtel. Und auch eine andere für die Iren wichtige Geschichte soll sich hier ereignet haben: Man glaubt, dass St. Patrick im 5. Jahrhundert hier war und den lokalen Häuptling Eoghan getauft hat.

Steinringe und Treppen

auf dem Grianán of Aileach

 

 

Vielen Dank an Failte Ireland, die mich auf die Tour entlang des Wild Atlantic Way North West (Co. Sligo und Co. Donegal) eingeladen haben. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unberührt.

Kategorie: Irland

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Ich mag es zu reisen und zu fotografieren. Auf meiner Weltreise und vielen anderen Reisen habe ich einiges erlebt. Darüber schreibe ich in diesem Blog. Mehr über mich findet Ihr unter Über uns und in meinem Google+ Profil.

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