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Dilemma auf Reisen: Wann ist der Preis angemessen?

Fanta und das liebe GeldAuf der Weltreise geht mir eine Geschichte nicht aus dem Kopf, die mir schon vor vielen Jahren erzählt wurde: Der Mensch, der sie mir erzählte, reiste durch Mexiko und kaufte einem Indianer Sandalen ab (total cool: die Sohle aus einem alten Reifen). Dabei verhandelte er den Preis knallhart und bekam die Schuhe für einen Spottpreis. Danach, zurück in Deutschland, erzählte er mir was ihn nicht mehr losließ: Hätte er dem armen Indianer ein oder zwei Mark mehr gegeben, hätte er ihm sehr geholfen. Es wäre nicht viel Geld gewesen und im Gesamtbudget der Reise nicht ins Gewicht gefallen.

Andere Geschichte vom Geld auf Reisen: Wir trafen eine  Backpackerin, die ein gebrauchtes T-Shirt kaufen wollte. Ihr war der Preis von umgerechnet 35 Cent zu hoch, sie erzählte uns wie überrascht sie von der Unfreundlichkeit des Verkäufers war, als sie ihm sagte dass sie nicht mehr als 17 Cent zahlen würde.

Und dann die Dritte Geschichte, die uns passiert: Wir buchten über unser Hotel ein Zugticket. Dass dieser Service ein wenig kosten würde, war klar. Am Ende fanden wir aber heraus, dass sich das Hotel 70% Marge genommen hat. Das war dreist.

Diese drei Geschichten zeigen das Dilemma, in dem wir uns als Reisende in Süd-Ost-Asien permanent befinden: Werde ich jetzt übers Ohr gehauen oder ist der Preis günstig? Oder anders gefragt: Was ist angemessen? Wie definiere ich angemessen für mich? Denn angemessen kann in einem Land ohne Sozialsysteme ja trotzdem einen kleinen Touristen-Aufschlag bedeuten.

Diese Frage kann einen ziemlich beschäftigen, wenn nicht sogar wahnsinnig machen. Man reist schließlich durch Länder, in denen fast nie Preise an Waren stehen, man bewusst oder unbewusst in Touristenfallen tappt, in denen man einerseits auf unglaublich liebe Menschen und andererseits auf gierige Geschäftemacher trifft.

Und auch wir merkten an uns: Wir hatten zwar beschlossen, dass es auf den letzten Euro nicht ankommt, im besten Fall unterstützen wir eine Familie durch einen etwas zu hohen Preis. Aber andererseits wollen wir dennoch fair behandelt werden. Niemand möchte ausgenommen werden, es fühlt sich einfach schlecht an, betrogen zu werden.

Auf Bali haben wir ein Pärchen kennengelernt, das hat uns zu allem und jeden gefragt, ob wir den „richtigen“ Preis kennen würden. Das zeigt den Kern des Problems: Die hohe Unsicherheit und Orientierungslosigkeit was Preise betrifft. Diese Unsicherheit kann zu einem hohen Misstrauen jedem Menschen gegenüber führen, von dem man etwas kaufen möchte oder muss. Und misstrauisch Reisen ist wirklich nicht schön.

Was tun? Diese Strategie hat sich bewährt: Bevor man etwas kauft, kurz überlegen: Was könnte diese Sache oder Leistung in diesem Land wert sein? Und dann: Was ist es mir wert und passt es ins Reisebudget? Wenn man das für sich selber weiß und mit einem Lächeln ins Verkaufsgespräch geht, hat man gute Chancen erfolgreich aus der Sache rauszugehen: Im schlimmsten Fall einigt man sich nicht, dann kauft man halt nichts. Im besten Falle bekommt man einen Preis, der einem fair erscheint. Und wenn man ehrlich ist, im Grunde ist es unerheblich, ob es der Preis der Einheimischen ist. Denn: Es kommt nicht auf den letzten Cent an, in der Regel sprengen kleine Beträge nicht gleich das ganze Reisebudget. Es kommt doch vor allem darauf an, sich nicht betrogen zu fühlen. Denn das ist es doch, was einen wütend macht.

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Ich mag es zu reisen und zu fotografieren. Auf meiner Weltreise und vielen anderen Reisen habe ich einiges erlebt. Darüber schreibe ich in diesem Blog. Mehr über mich findet Ihr unter Über uns und in meinem Google+ Profil.

8 Kommentare

  1. Vor diesen Fragen steht vermutlich irgendwann jeder einmal. Mir geht’s genauso: Ich will vor allem nicht komplett über den Tisch gezogen werden.
    Ich verhandele aber auch kaum. Nur wenn größere Summen im Spiel sind. Aber ich möchte nicht mit einem armen Laoten um 50 Cent feilschen. Die sind bei ihm wesentlich besser aufgehoben als bei mir.
    Und wenn ich einmal reinfalle und Lehrgeld zahle, dann kann ich mittlerweile darüber schmunzeln.

  2. Da hast du sehr Recht. Aber: Wenn man allein unterwegs ist, kann man das vielleicht noch ins Budget einkalkulieren; mit zwei Kindern werden extrateure Zugtickets dann auf Dauer wirklich „zu teuer“ (und Bus fahren ist mit den Kleinen auf langen Strecken einfach keine Option).

    Genau dieses ständige leise (oder auch laute) Gefühl, gerade abgezockt zu werden, hat uns in Vietnam permanent so gestört .
    Interessant übrigens, dass die Kambodschaner genauso versuchen, an Touristen zu verdienen, wir uns dort aber trotzdem viel wohler gefühlt haben. Ganz zu schweigen von Thailand – aber das ist schon über zehn Jahre her, vielleicht sieht es dort heute auch schon ganz anders aus…?

    Denn Fakt ist: Je mehr unbedarfte Touristen sich keine Gedanken machen, was etwas kosten sollte, und einfach jeden Mondpreis bezahlen, desto weniger sind die Verkäufer an handelnden Kunden interessiert – was soll’s, der nächste Kunde ist ja eh wieder ein ahnungsloser Depp, warum soll ich für diesen Farang hier also den Preis senken? (Und das schlechte Gewissen, dass man zu sehr gehandelt hat, würde ich steckenlassen: Kein Verkäufer ist gezwungen, unter Einkaufspreis zu verkaufen. Siehe oben.)

    • Tobias sagt

      Ja das stimmt sicher, die Preise werden in einigen Gegenden ganz schön verdorben. Auch wir haben einige Dinige nicht gekauft, weil der Preis offensichtlich dreist war.

      Ins Reisebudget würden wir immer ein bisschen Lehrgeld-Puffer einplanen. Das nimmt einem den Druck bzw. den Ärger, wenn man doch mal Pech hatte. Wir haben z.B. für Bali unsere Missgeschicke im Verhandlen zusammengerechnet und kamen auf rund 40 EUR in 2,5 Wochen. Nicht schön, aber nicht das Ende der Welt und der Ärger war für uns größer als der tatsächliche Verlust.

      Vietnam hat eine andere Mentalität als das buddhistisch geprägte Kambodscha und Thailand. Vielleicht habt ihr deswegen die letzten Länder als angenehmer erlebt? In Thailand fanden wir es immer noch sehr angenehm zu Reisen (auch wenn man nicht jedem Tuk Tuk Fahrer trauen sollte).

  3. Die Frage des Preises ist immer ein besonders heikle. Ich gehe immer von höchstens 20 – 25% des erstgenannten Preises aus. Speziell bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen. Der Verkäufer soll schon merken, dass ich mich nicht über den Tisch ziehen lasse, allerdings bin ich gewillt, in Anbetracht der Situation in den jeweiligen Ländern, etwas mehr zu geben.

    • Tobias sagt

      Das Problem was wir bei einem solchen Ansatz hatten, war: Einige Verkäufer haben einen fairen Preis genannt. Da ist 75% runterhandeln schon beleidigend. Das hat es aber auch so schwer gemacht, manchmal kann man kaum erkennen ob der Preis überzogen ist oder nicht. Ich finde, man muss einfach ein Gefühl entwickeln und sich auch selber bewusst machen, dass man ja nicht verpflichtet ist, zu kaufen.

      Aber natürlich können wir auch zustimmen: Immer handeln, gerade auf Märkten gibt fast nie Festpreise :)
      Und du hast Recht: Etwas Bewusstsein dafür, dass ein kleiner Aufschlag in einem Land ohne Sozialsysteme sozial ist, kann man schon haben.

  4. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der oft vernachlässigt wird. Das sind die Schäden für die Einheimischen, die aus den Touristenpreisen entstehen.

    Genau. Du hast recht gelesen! Es hilft den Leuten nämlich im Endeffekt nichts, wenn Touristen teurere Preise bezahlen als Einheimische.

    Ich hab vor ein paar Jahren einmal eine Studie zum Thema angeschaut. Da wurde das für den indischen Staat Goa untersucht.

    Passiert ist folgendes: Die Touristen haben für alles mehr bezahlt als Einheimische. Irgendwann merkten das die Verkäufer und weigerten sich, gewisse Produkte an Einheimische zu verkaufen. Die Folge: Nach einer gewissen Zeit mussten auch die Einheimischen „Touristenpreise“ zahlen, hatten aber natürlich weiterhin den gleichen Lohn.

    Insofern haben die höheren Preise die Legensbedingungen der Menschen vor Ort verschlechtert und nicht etwa verbessert.

    • Tobias sagt

      Guter Punkt. Interessante Studie.

      Das ist natürlich eine Frage der lokalen Kultur und des Umgangs miteinander. Es ist schon krass zu lesen, dass dort die Verkäufer nicht mehr zwischen „ihren“ Leuten und den Touristen unterschieden haben.

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