Laos
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Gestrandet auf dem Weg nach Vietnam

Die Puffmutter zetert ins Telefon. Seit guten zwei Stunden bewegt sich hier gar nichts. Neuer Anruf, neues Zetern. Ob es was nützt? Keine Ahnung. Der Busfahrer und sein Helfer liegen immer noch ölverschmiert unterm Bus. Unser Gepäck liegt verstreut im Straßengraben. Autos rasen vorbei und wirbeln Staubwolken auf, doch nie hält eines an.

unser Ticket auf den Namen FalangWir fahren, alles super

wer kann, haut ab. Leider passen wir nicht mehr.

Panne: wir hängen fest

die Kids aus dem Dorf mit ihren Ballonses wird Abend...Wir hängen fest

Eigentlich wollen wir nach Hué in Vietnam. Dort soll uns der Bus aus Pakse direkt hinbringen. Doch ab 13 Uhr geht nichts mehr, Motorschaden in einem kleinen Dorf im laotischen Nirgendwo. Alle die können (Sprache und Geld) machen sich schnell mit einem Bus, der zufällig stoppt, aus dem Staub. Jetzt sind nur noch wir übrig: Eine Handvoll laotischer Studenten, fünf Falang (Ausländer = ein Engländer, zwei Französinnen und wir zwei) und unsere Crew: Der Busfahrer mit stubbeligen grauem Haar, sein drahtiger Helfer mit Basecap und die resolute Dame. Mitte fünfzig, gefärbte Haare, dick geschminkt, trägt Leoparden-Leggings und Leoparden-Bluse. Sie telefoniert laut und wacht über das Bündel Geldscheine. Humorvoll bekommt sie den Spitznamen „Puffmutter.“

Informationen gibt es keine (was? Wie lange?). Unser Problem: Weil außerhalb von Laos die laotischen Kip nichts wert sind, haben wir nur einen Restbetrag (ca. 5 EUR) Bargeld dabei. Einen Geldautomaten gibt es hier nicht. So sitzen wir fest.

Der gestrandete Bus mit Busfahrer darunter ist die Attraktion: eine Schaar Kinder aus dem Dorf sammelt sich um uns. „Diese Kids haben kein Spielzeug“ sagt Jack, er reist schon eine Weile in Asien. Er winkt den Kleinen zu, er hat diese langen Luftballons mitgebracht, aus denen er Figuren formt: Ein Schwert für die Jungs, ein Herz oder einen Hund für die Mädels. Die Kinder strahlen, mit einer unglaublichen Freude spielen sie mit den Ballons, erst vorsichtig, dann fangen sie an, mit ihrem Ballon eigene Figuren zu formen. Sie sind echt kreativ, die Kleinen.

Ein weißer Pickup mit einem Mechaniker und neuem Werkzeug kommt an, er krabbelt ebenfalls unter den Bus.

Am Rand der Szenerie wird die Gruppe Kinder, die noch keinen Ballon haben, größer. Die ersten mussten mit ihren Ballons durchs Dorf gerannt sein, um ihr neues Spielzeug allen zu zeigen. Jack packt Ballons und Luftpumpe aus, jeder bekommt was.

Die Puffmutter kommt an meinen Rucksack und will darin rumwühlen. Ich halte meine Tasche zu. Sie redet laut, sagt „Falang“ und gestikuliert, als ob sie mit einem Schwert zustechen wolle. Wir rätseln. Ah, eine Taschenlampe, das muss das Zeichen für Taschenlampe sein! Klar, ich leihe ihr meine Taschenlampe die direkt unter dem Bus bei den Mechanikern landet.

Nach zwei Stunden fährt der Mechaniker wieder ab, die Arbeit ist für heute beendet. Zwei der Studenten übersetzen für uns was die Worte unserer Puffmutter: In sechs Stunden, um 22 Uhr, würde ein Ersatzbus kommen. Neinnein, die Grenze nach Vietnam sei dann noch nicht geschlossen, alles würde passen.

Die Nacht

Im Dorfladen trinken wir mit den Studenten Bier und spielen Gitarre. Als wir zurück zum Bus kommen, hat eine Familie in ihrem Garten ein Feuer gemacht. Wir sitzen darum herum und warten. Die Bus-Crew schläft schon im Bus. Ein wenig später gehen wir ebenfalls in den unbeleuchteten Bus am Straßenrand und legen uns hin.

Der Bus bei NachtUm 10 Uhr hören wir die Puffmutter wieder zeternd telefonieren. Kein Bus ist gekommen. Wir verbringen die Nacht hier.

Am nächsten Morgen um 6 Uhr: Kein Kaffee, kein Frühstück, keine Information. Auf Nachfrage erklärt die Puffmutter wiederwillig, der neue Bus solle um „10 Uhr“ kommen. Wir glauben ihr kein Wort.

So langsam dämmert uns, dass es keine große Busgesellschaft gibt, sondern wir mit 3 Einzelunternehmern gestrandet sind, die keine Ahnung haben, was sie tun sollen.

Wir beraten mit Jack und den beiden Französinnen. Niemand hat Bargeld dabei, niemand glaubt an einen Ersatzbus. Wir brauchen jetzt etwas Glück. Unser Visum gilt ja auch nicht mehr für ewig.

Und so kommen wir doch über die Grenze

Ein Auto stoppt, passenderweise ein Minivan. Ein Typ springt raus, bietet an, uns direkt und nonstop bis zu unserem Ziel nach Hué in Vietnam mitzunehmen. Er will dafür nur 15 EUR pro Nase. Hmmm… klingt zu gut um wahr zu sein. Wir schließen uns mit den anderen Ausländern zusammen und drücken den Preis. Ein bisschen Geld holen wir uns von der Puffmutter zurück. Unser restliches Geld reicht gerade so für die Differenz.

Jetzt sitzen wir in einem Auto mit zwei Typen, die wir nicht kennen und fahren übers Land in Richtung Grenze nach Vietnam. Der Fahrer ist mit Gold behangen, das haben wir im armen Laos noch nie gesehen. Nach einer Stunde stoppen wir, Toilettenpause. Der Fahrer verschwindet in einer Kabine und telefoniert 20 Minuten, dabei hören wir den Namen unseres Zielorts Hué. Sehr unheimlich.

Wir haben keine Wahl, weiter geht’s. Nach drei Stunden kommen wir an der Grenze an und reisen nach Vietnam ein. Plötzlich sind die Gebäude wieder größer, neuer und farbiger und die Autos zahlreicher. Der Unterschied zwischen dem armen Laos und dem nicht so armen Vietnam ist nicht zu übersehen.

An der Grenze steigt ein weiterer Asiate zu. Kurz nach der Grenze noch ein Kontrollpunkt, unsere Pässe werden inspiziert während der Beifahrer aussteigt und den hochrangigen Beamten Zigaretten gibt, mit ihnen raucht und ihnen auf die Schulter haut. Ah ja.

Zwei Stunden später fahren wir an einem Wohnhaus ran. Der Beifahrer steigt aus, er wohnt hier. Eine Französin fragt seine Frau, ob sie mal auf Toilette dürfe, ja klar. Wir alle nutzen die Gelegenheit. Nur, zurück ins Auto werden wir nicht gelassen.

Trinkt noch n Schluck!„I invite you to my house!!!“ ruft die Frau, zack sitzen wir auf den Boden um den Wohnzimmertisch neben ihren Freundinnen. Eine Sekunde später hat jeder ein Glas Whisky vor sich zu stehen, Bonbons werden aufgerissen, geröstete Melonenkerne gereicht, die Gitarre rausgeholt. „Happy new year!!!“ Wir trinken den ersten Whisky. Und so geht es weiter,(„I drink with you – all at once!!!“) und immer wird nachgefüllt.

Nach einer guten halben Stunde drängt unser Fahrer zum Aufbruch, wir müssen noch weiter. Schon ein bisschen hacke (wir hatten schließlich nur ein paar Kekse gefrühstückt) fahren wir weiter bis nach Hué. Im strömenden Regen kommen wir in Vietnam an und bezahlen mit unserem letzten Geld den Fahrer. Wir sind mit knapp 20 Stunden Verspätung angekommen. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.

4 Kommentare

  1. Janina sagt

    genau diese art von geschichten machen doch die würze einer backpaker-weltreise aus!!!!

    • Tobias sagt

      Auf jeden Fall werden wir uns noch lange an unsere Nacht im Bus und das Lagerfeuer mit den Studenten erinnern.

      Aber ob wir wirklich Backpacker sind… da sind wir uns gar nicht mehr sicher. Doch das ist ein anderes Thema.

  2. Der Abschnitt Reise-Know-How finde ich echt toll. War ja ein echtes Abenteuer, dieser Grenzübergang.

    Gruss
    Eva

    • Tobias sagt

      Danke. Wir hoffen bald noch weitere nützliche Tipps zusammenstellen zu können :)

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