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Der Regenbogen-Opa von Taichung

Der Taxifahrer sieht aus wie ein Totenkopf mit Sonnenbrille, so mager ist er. „Yes I know“ sagt er und wedelt mit unserem Zettel, auf dem unser Fahrtziel auf Chinesisch aufgeschrieben steht. Unser Ziel ist in keinem touristischen Plan eingezeichnet, steht nicht im Lonely Planet und ist trotzdem unser Highlight in Taichung: Unser Besuch beim Regenbogen-Opa.

erst mal ins TaxiBoden, Haus, Zaun bemaltDie Wände sind buntim Rainbow VillageBart mit Kabel?!das Moped und der FarbeimerRainbow Grandpas VisiNachdem uns der Totenkopf absetzt, schauen wir erst mal um uns: Wir sind mitten in einem Wohngebiet am Rand von Taichung. Die Stadt ist eigentlich bekannt für seine Fabriken (kennt jemand „Made in Taiwan“? Gute Chancen, dass das Produkt von hier kommt). Aber wir finden etwas anderes: Das bemalte Haus mit seinem bemalten Zaun auf dem bemalten Boden. Alles wurde bunt bemalt vom Regenbogen-Opa (oder Rainbow Grandpa wie er sich nennt).

Sein Name ist Huang Yung-fu und er hat jede Wand und den gesamten Boden in der Siedlung bemalt, die heute auch Rainbow Village genannt wird. Entstanden sind die Unterkünfte in den 40er und 50er Jahren für Soldaten der Republik China (Taiwan). Zuerst sollte die Kommune vorübergehend sein, aber mit der Zeit ist sie gewachsen und geblieben. Es gibt eine ganze Reihe dieser Siedlungen im ganzen Land. Vor einigen Jahren hat Huang vor lauter Langeweile begonnen, seine Siedlung zu bemalen. So entstand das Rainbow Village. Es war übrigens nie als Touristenattraktion gedacht, doch die Fotos der farbenfrohen Häuser kursierten im Internet und immer mehr Menschen kamen. So wurde Huang zum Rainbow Grandpa.

Als wir also aus dem Taxi steigen, stehen Gruppen taiwanesischer Jugendlicher in bunten Klamotten vor den bunten Wänden und fotografieren sich. Wir gehen durch das Tor hinein in die Siedlung. Alles ist bemalt mit Figuren. Als wir eine Katze bewundern, steht plötzlich der Regenbogen Opa neben mir und tippt mich an. Hier um die Ecke, deutet er mit seinen Händen, schau hier um die Ecke und zeigt auf einen gemalten Pandabären und eine weitere von ihm gemalte Katze. Dabei lacht er mich an. Ich lache zurück. Der Opa nimmt seine Visitenkarte vom Stapel, dreht sie vorsichtig um und legt sie auf den Tisch. Bedächtig nimmt er seinen Stempel, drückt ihn fest ins Stempelkissen und stempelt sorgfältig die Visitenkarte. Mit beiden Händen übereicht er sie mir. Auf der Visitenkarte ist sein Foto abgebildet, er streckt zwei Finger zum V und lacht.

Eigentlich sollte das Rainbow Village verschwinden und neue Wohnblöcke gebaut werden. Aber mittlerweile sind die bunten Wände so berühmt geworden, dass der Bürgermeister von Taichung versprochen hat, sie stehen zu lassen.

 

4 Kommentare

  1. Ha, gerade deinen (euren) Blog entdeckt und finds super. Der Schreibstil ist mal was anderes, und sehr unterhaltsame, ungewöhnliche Themen. Und Taichung (oder zumindest der Opa) scheint auf jeden Fall sehenswert zu sein.

    • Tobias sagt

      Danke Ivo!

      Übrigens, Taiwan stand zunächst gar nicht auf unserer Liste, jetzt sind wir wirklich froh dort gewesen zu sein. Wirklich ein ganz großartiges Reiseland.

  2. Davon habe ich ja noch gar nichts gehört. Werde in ein paar Wochen in Taiwan sein und dem Opi mal nen Besuch abstatten. Wie lange warst du / ihr da? Also insgesamt in Taiwan? hast du Tips, wie viel Zeit man auf jeden Fall einplanen sollte?

    Liebe Grüße,
    Madlien

    • Tobias sagt

      Wir waren zwei Wochen, hätten aber bequem mehr Zeit verbringen können und z.B. auch in den Süden fahren. Viel Spaß auf Taiwan, die Insel lohnt sich!

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