Bulgarien
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Skigebiete in Bulgarien – was können die überhaupt?

Ich stehe oben auf dem Berg in Borowets, die Schneekanone läuft volle Pulle und die Sonne scheint. „Tobias mir nach!!!“ drängt mein Ski-Coach, ich muss mir einen Ruck geben und schon fetze ich die rote Piste hinunter durch die Kanonen-Schneehaufen.

Zugegeben, zuerst hatte ich den Balkan überhaupt nicht zum Urlauben auf dem Radar, schon gar nicht zum Skifahren. Dabei liegen die großen Skigebiete gerade mal 1-2 Stunden von Sofia entfernt. Aber umso besser: Ohne Erwartungen und mit der Neugierde ein Land, von dem ich noch gar keine Idee hatte zu entdecken, flog ich los nach Sofia. Und direkt weiter in den Bus in die Berge nach Borowez, um die diesjährige Skisaison, die ich schon in Oberammergau begonnen hatte, fortzusetzen. Ich brannte darauf, die meine Erfahrungen in den Skigebieten Bulgariens sammeln zu können.

 

Das Skigebiet Borowez im Rila-Gebirge

70 Kilometer südlich von Sofia liegt Borowez (Borovets auf english). Das Skigebiet hat eine angenehme Größe und zwei Besonderheiten: Die Gondeln der Seilbahn sind spacig und  die höchste Erhebung des Balkans liegt hier.

Los ging’s am Morgen im Skiverleih: Im Gewusel zwischen Briten und Bulgaren bekommen wir von den Verleihmitarbeitern (sie reichen den ersten Vodka Orange rum) die Ski. Vor der Tür fängt mich Oggy ab: „Du kommt mit mir, du bist fortgeschritten!“ Das sehe ich zwar anders, aber Oggy ist unser Skilehrer für den Tag und prophezeit mir: „Ich mache dich schneller!“ Oha, was das auch heißen mag.

Die Space Kapseln in Borowez

Die Gondeln der Seilbahn sehen aus wie aus einem Science-Fiction der 70er Jahre. Die runden orangefarbenen Kapseln heben uns durch die Wolken hinauf in die Sonne auf 2400m Höhe. Einige Pisten sind bereits geschlossen, denn vor drei Tagen hatte es noch geregnet. Jetzt liegt frischer Schnee (haben wir ein Glück) und die Skikanonen laufen auf vollen Touren. Auch hier ist der Winter in diesem Jahr zu mild und auch hier können wir trotzdem problemlos Ski fahren.

„Tobias, mir nach! Schau her!“ Oggy nimmt mich ins Schlepptau. Es ist meine Körperhaltung, an der ich arbeiten müsse. Nur so könne ich auch full speed die rote Piste runter-carven. Zuerst verliere ich ihn immer aus den Augen, doch mit der Zeit kommen die Erfolge. Sein Lob steigert sich von „Ja besser“ bis hin zu „ja guuut, siehst du?!“ und dem krönenden abschließenden „I love you!“

Pisten in Borowez

„Ist dir hier schon mal was runtergefallen?“ frage ich Oggy im Lift. „Natürlich!“ ruft er und nimmt einen Zug an seiner Zigarette „Aber wegen einem Handschuh gehe ich nie auf die Suche! Aber manchmal räumen wir nach dem Winter die Piste auf. Im letzten Jahr hat ein Kollege eine Kamera gefunden! Sie funktionierte noch! Eine Kamera!“

Piste in Borowez

Nach dem Ski gehen wir ins Bistro Elite, direkt gegenüber der Space-Gondel von Borowez. „Ich empfehle Euch die bulgarischen Spezialitäten“ sagt Oggy und erklärt weiter „denn wenn ich nichts empfehle, bestellen sich die Touristen immer Nudeln und Pizza, weil sie es kennen. Und danach starren sie auf meinen Teller Gegrilltes!“ Hier grillt der Chef nämlich in der Gaststube am Kamin. Auf einen Rost kommen Fleisch und Sucuk. Meine Boulette nach Bojaren-Art kommt ebenfalls vom Kamin-Grill, ist mit Käse, Schinken und saurer Gurke gefüllt und schmeckt einfach richtig gut. Dazu gibt es Pommes mit Käse, das macht man in Bulgarien so.

Gegrillt wird auf dem Kamin

Schön war’s in Borowez, angenehme Pisten und nicht zu viel los (das ändert sich allerdings am Wochenende, wie ich höre, wenn halb Sofia hier die Hänge runtersaust).

 

Bansko im Piringebirge

Das größte Skigebiet Osteuropas liegt in Bansko, einem kleinen Ort zwischen Sofia (120 Km, 2 h Fahrt) und Thessaloniki (230 Km, 3 h Fahrt). Die Anlagen sind supermodern, die große Seilbahn die uns auf den Berg bringt wurde 2002 eröffnet, seitdem wächst das Skigebiet um neue Pisten und neue Liftanlagen.

Bansko ist ein Skiort, der mit den Pisten in den letzten Jahren gewachsen ist. Um die Innenstadt mit der alten schönen Kirche und einigen gemütlichen Mehanas sind ganze Viertel mit Hotels gewachsen. Das Unterkommen ist schon mal kein Problem.

Skigebiet Bansko

auf dem Lift in Bansko

Die Seilbahn ist ein kleines Nadelöhr, aber sobald wir oben sind, verteilen sich die Mengen auf den vielen Pisten. Wie breite Autobahnen ziehen sie sich den Berg hinunter, es ist viel Platz und ich kann was Oggy mir beigebracht hat ausprobieren. Die Aussicht ist einfach super, das Wetter wieder sonnig und warm (erwähnte ich, dass der Winter dieses Jahr besonders warm war?!), die Pisten super präpariert und breit. Es macht richtig Spaß.

Mittags gibt’s in der Blabla-Bar (die heißt echt so) wieder Pommes mit Käse und diesmal Hühnchen.

Im Skigebit Bansko

Nach dem langen Skitag kommt das Highlight des Tages: Das Essen in einer Mehana, einem traditionellen bulgarischen Restaurant. Wir sind im Dedo Pene, einem gemütlichen und liebevoll eingerichteten Restaurant: Die Wände sind dich behangen mit Krimskrams, von dem jedes Stück eine eigene Geschichte erzählt. Der Tisch steht voller traditioneller Vorspeisen, an denen allein ich mich schon satt futtern könnte, dazu Rakija (bulgarischem Schnaps, erinnert vom Geschmack ein wenig an Grappa) und Rotwein. Danach die große Kapama, das traditionelle Schmorgericht mit Reis, Kraut und Fleisch. Drei Damen singen traditionelle Lieder und wir tanzen um den Tisch. Ein echtes bulgarisches Essen, kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen.

 

der Platz an der Sonne...

 

Insgesamt Skifahren in Bulgarien eine super Erfahrung: Die Pisten waren gut, mit Oggy unterwegs zu sein ein großer Spaß, das Wetter einfach der Knaller, das Essen unfassbar lecker und die Skipässe preiswert (ein Tagespass kam 55- 58 BGN, das sind umgerechnet etwas unter 30 EUR). Und nach dem Skifahren war sogar noch ein Wochenende in Sofia drin.

 

Infos

Skipässe für einen Tag kosten etwas unter umgerechnet 30 EUR, wer mehrere Tage bleibt bekommt entsprechende Rabatte (Stand März 2014)

Preise und Skipässe in Borowez

Preise und Skipässe in Bansko

 

Auf die Blogger- und Pressereise nach Bulgarien wurde ich von Bulgarien Tourismus eingeladen, danke dafür!

 

Kategorie: Bulgarien

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Ich mag es zu reisen und zu fotografieren. Auf meiner Weltreise und vielen anderen Reisen habe ich einiges erlebt. Darüber schreibe ich in diesem Blog. Mehr über mich findet Ihr unter Über uns und in meinem Google+ Profil.

4 Kommentare

  1. Roland Reppin sagt

    Gut getroffen! Wir fahren seit 15 Jahren in Borowets Ski und freuen und jedes Jahr auf die neu Saison. Leider wissen viel zu wenig Deutsche wie angenehm es dort ist.

    MfG Roland

    • Tobias sagt

      Hallo Roland, stimme zu, Bulgarien ist eine wirkliche Option für den Skiurlaub. Man muss zwar hinfliegen, dafür ist es deutlich preiswerter als die Skigebiete in den Alpen :)

  2. Ich finde 30 Euro nicht wahnsinnig günstig, muss ich sagen. In der Schweiz kostet ein Teagespass auch „bloss“ etwa 50 Euro. Dafür sind aber die Kosten bei der Anreise günstiger (zumindest für mich als Basler). Aber vermutlich holst du auch einiges bei den Unterkünften und der Verpflegung raus. Was würde denn dort ein Hotelzimmer kosten?

    • Tobias sagt

      Ja valider Punkt mit dem Tagespass. Allerdings kommt da schon was zusammen, wenn man z.B. eine ganze Woche bleibt. Von der Größe her hat die Schweiz auch größere Skigebiete z.B. im Wallis, keine Frage. Und Ziele wie Sofia sind natürlich für einen Hamburger oder Berliner viel spannender von der Verbindung als für einen Schweizer, Allgäuer oder Tiroler :) Verpflegung, Unterkunft und Ausgehen sind deutlich preiswerter als in den Alpen, da wir nicht selber gezahlt haben, kenne ich die Hauptsaison-Preise nicht. In Sofia habe ich zum Vergleich für ein solides modernes 3-Sterne-Zimmer inkl. Frühstück (und Wlan!) um die 40 EUR pro Nacht gezahlt.

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